Beckenboden-Rehabilitation

Seit Jahren ist die Beckenboden-Rehabilitation ein anerkannter Ansatz, wenn es um die Behebung von Entleerungsstörungen und Inkontinenz geht. Erstere verhindern, dass der Darm vollständig (oder auch nur teilweise) entleert werden kann, während letztere die körperlich bedingte Unfähigkeit beschreibt, Urin oder Stuhl zurückzuhalten (Harn- oder Stuhlinkontinenz).

Beide Pathologien ziehen eine Reihe von Problemen und Unannehmlichkeiten nach sich und beeinträchtigen die Lebensqualität nachhaltig. Nicht zuletzt deshalb ist es wichtig, Ursachen und Folgen so weit wie möglich aus der Welt zu schaffen.

Dies versucht man heute in erster Linie mit zwei verschiedenen Techniken: dem Biofeedback und der Elektrostimulation. Das Biofeedback geht dabei von der Theorie aus, dass man im Normalfall unbewusste Vorgänge im Körper durch deren Messung sichtbar und bewusst machen kann. Sind sie dies, können sie in einem zweiten Schritt auch über das Bewusstsein gesteuert werden.

Die Tätigkeit von Darm und Schließmuskel sind dafür gute Beispiele. In der Regel müssen diese nicht bewusst beeinflusst werden. Sind sie aber nach Unfällen oder Krankheiten beeinträchtigt, gilt es, sie durch gezielte Übungen bewusst zu trainieren. Dieses Training sorgt dafür, dass man etwa den Schließmuskel wieder gezielt dazu bringen kann, sich zusammenzuziehen, während andere Muskeln ebenso bewusst entspannt werden können. Deshalb ist das Biofeedback eines der Standbeine einer umfassenden Beckenboden-Rehabilitation.

Betreut wird der Patient dabei von einem Team, das aus einem Physiotherapeuten, einem Osteopathen, zwei Biofeedback-Therapeuten und einem Kolorektal-Chirurgen besteht. In unserer Praxis wird dabei in einem ersten Schritt abgeklärt, inwieweit eine Biofeedback-Therapie im individuellen Fall erfolgversprechend ist. Der zweite Schritt besteht dann in der Ausarbeitung eines maßgeschneiderten Reha-Programms.

Zu diesem Programm gehört nicht nur eine ganze Reihe von Übungen. Physiotherapeut und Osteopath arbeiten vielmehr ein Begleitprogramm aus, das auch Anweisungen in Sachen Hygiene, Ernährung und Verhalten sowie körperliche Übungen umfasst.

Der gesamte Reha-Prozess ist absolut schmerzfrei. Es muss lediglich eine kleine Sonde in den Analkanal eingeführt werden, die den Druck misst, der auf die Darmwände ausgeübt wird. Mit Hilfe eines Computers kann so sichtbar gemacht werden, ob und wie stark ein Muskel gerade zusammengezogen oder entspannt wird.

Dem Patienten wird so unmittelbar vor Augen geführt, inwieweit er imstande ist, durch die von den Therapeuten vorgegebenen Übungen die Muskelaktivität bewusst zu beeinflussen. Zudem kann der Therapeut zu jeder Zeit ablesen, ob der Patient die Übung richtig ausführt oder ob es Korrekturen bedarf.

Begleitet wird eine Biofeedback-Therapie häufig von Elektrostimulation. Bei dieser werden Muskelfasern durch elektrische Impulse niedriger Frequenz stimuliert, was durch eine kleine Elektrode passiert, die in den Analkanal des Patienten eingeführt wird. Jede Stimulations-Sitzung dauert nur etwa zehn Minuten.

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